Das “Ende” von Erdogan?

Der ehemalige Chefredakteur der türkischen oppositionellen Zeitung „Cumhuriyet“ Can Dündar musste am eigenen Leib erfahren, was eine Diktatur nach sich bringt. Die Zeitung existiert nicht mehr, die Journalisten wurden verhaftet, Dündar geriet auch im Visier der türkischen Sicherheitsbehörden. In seiner Heimat wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt. Seine kritische Einstellung zum türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan wurde als Hochverrat klassifiziert. Im Unterschied zu seinen inhaftierten Kollegen hatte er jedoch Glück. Er lebt im Exil in Deutschland, wartet auf Regimewechsel in der Türkei und hofft auf die Freilassung des türkisch-deutschen Korrespondenten der „Welt“ Deniz Yücel sowie von hunderten anderen weggesperrten Journalisten.

„Die Türkei ist auf einem absteigenden Ast. Die Stimmung ist schlecht, die Wirtschaft ist im Niedergang. Selbst die AKP-Anhänger haben die Nase voll davon. Viele haben den Eindruck, dass sich die Türkei auf dem Weg in eine Art Diktatur befindet. Ich hoffe, dass die Menschen sich gegen diese Entwicklung aussprechen“, sagt der Journalist gegenüber der „Welt“.

Außerdem warnt er die deutsche Regierung vor „schmutzigen Deals“ mit Erdogan. „Durch den Flüchtlingsdeal hat sich Erdogan das Stillschweigen der europäischen Regierungen erkauft. Die Konsequenzen können wir jetzt besichtigen. Es sollte uns eine Warnung sein: Dieser Deal hatte einen Preis. Der nächste Flüchtlingsstrom kommt nicht aus Syrien, sondern aus der Türkei selbst.“

Trotzdem zeigt sich Dündar zuversichtlich hinsichtlich der Zukunft seines Landes. „Ich bin ein optimistischer Mensch. Ich glaube, dass wir gerade die letzte Phase von Erdogans Regime erleben.“

 

Original bei “votum1”

 

“Die Bundesregierung muss jetzt sofort unmissverständlich klar machen, dass in Deutschland NIE WIEDER Stimmung für die Einrichtung einer Diktatur – wo auch immer auf der Welt – gemacht werden darf.”